Heldin des Alltags: Patricia Vogelsang

[ Heldinnen-Porträt Mai 2022 ]


[ still&wild I Naturzyklische Prozessgestaltung I Interview am 08.03.2022 ]



Heldinnen-Affirmation:


Gib deinem zyklischen Da-Sein Raum. Finde deinen Schatz.

Du bist ein zyklisches Wesen – kenne deinen eigenen Rhythmus und lebe im Einklang damit. Werde dir bewusst, wo du in deiner vollen Kraft bist. Und dann lebe das und bereichere damit die Welt. So kann sich deine Gabe entfalten!

 

Das erste Mal von Patricia gehört habe ich, als ich gerade mitten in meiner Wildnispädagogik- und Happiness Trainerin Ausbildung stand. Jemand, den ich kenne, der jemand kennt, ... hat mich auf Patricia bzw. «still & wild – Naturverbindung leben» aufmerksam gemacht. Die Verbindung von Naturverbindung, Ritueller Gestaltung, Frauenkreisen, Wildem Wissen & Stillem Sein bei «still & wild» hat mich schon damals angesprochen. Der Same war gelegt. Das gemeinsame Frauen-/Meitliwochenende «Sonnenzeit & Sternenzelt» im letzten Jahr hat das Begeisterungs-Feuer dann weiter geschürt. Als es im Zusammenhang mit dem von Patricia mit-gegründetem Wandelzeit-Netzwerk schliesslich darum ging, eine Mädchenbande im Raum Zürich auf die Beine zu stellen, hat Patricia Fäden verbunden und so starte ich gemeinsam mit Simone dieses Jahr eine Mädchenbande hier vor Ort.

Patricia verkörpert für mich bis in die Zehenspitzen, was «still & wild» umschreibt: Sie beherrscht den Tanz zwischen den Polaritäten – zwischen Innehalten und Volle-Kraft-Voraus, zwischen Empfangen und Geben, zwischen intuitiver Innenschau und lebensfrohem, expressivem Ausdruck. Als «Schwellenhüterin» sorgt sie, dass Übergänge wohlwollende Aufmerksamkeit erfahren und spinnt gleichzeitig Netzwerke des Lebens. Das macht ihre Heldinnenkraft für mich aus.



Patricia Vogelsang – was für ein klangvoller, poetischer Name. Und noch dazu so passend zur aktuellen Jahreszeit, in der die Vögel aus ihrer Winterruhe erwachen und aus vollen Kehlen zu singen beginnen. Passend auch für dich als Person: Du bist eine naturverbundene Frau, die nicht nur persönlich naturzyklischen Prozessen folgt, sondern auch beruflich Erfahrungsräume für Naturverbindung schafft. Im Jahreskreis befinden wir uns momentan mitten im Frühling. Was verbindest du persönlich mit dieser Jahreszeit?

Als erster Impuls kommt mir der Begriff «Rauskitzeln» in den Sinn. Das, was im Winter ruhte und schlief, wird mit frischem Wind, sanften Geräuschen und neuen Düften wach geküsst. Gleichzeitig wohnt dem Frühling aber auch eine aufrüttelnde Kraft inne – der Winterschlaf ist vorbei; das Leben ist gefragt! Für mich gehört zum Frühling Ausprobieren, Neues wagen und Scheitern, sich (noch) nicht festlegen müssen und Chaos dazu. Frühling ist für mich wie auf einem grossen Feld zu stehen mit Blick auf einen riesigen Horizont und spielerisch all die vielen Möglichkeiten dort erforschen zu können. Auch Übermut vor lauter Lebensfreude gehört für mich dazu!


Du hast die Ausbildung zur Transformation in natura® Coach beim umainstitut gemacht, bei der das europäische Lebensrad nach Ursula Seghezzi eine zentrale Rolle spielt. Bei diesem Lebensrad steht der Frühling sinnbildlich für die Kindheit (auf unser menschliches Leben bezogen). Darauf folgt mit der Jugendzeit der Übergang von Kind zu Frau bzw. Mann. Nun hast du zusammen mit Simone Gantner vor zwei Jahren das Netzwerk «Wandelzeit» ins Leben gerufen, um genau diesen Übergang zu begleiten und zu zelebrieren. Warum braucht es das deiner Meinung nach?

Jedwede Übergangsphase im Leben ist eine sensible Zeit, ob es dabei um zentrale Lebensübergänge wie Geburt, Jugend, die Jahre des Wechsels oder den Tod geht oder andere Transformationszeiten im Laufe des Lebens. Das Alte hat ausgedient, das Neue ist noch nicht greifbar. Übergänge stehen daher oft in Verbindung mit Krisen, weil es sich um einen Findungsprozess handelt und vieles (noch) unklar ist. Dieser Prozess benötigt Ruhe und (Entwicklungs-)Raum, damit sich Altes transformieren und Neues entfalten kann – ähnlich der Verpuppung und Transformation, die von Raupe zu Schmetterling geschieht. Krisen sind somit gleichzeitig ein Aufruf zur Potentialentfaltung.


[ Wandelzeiten sind Magie pur. ]

In unserer heutigen leistungsorientierten Gesellschaft kommt die Transformationszeit in Jugendjahren oftmals unter die Räder. Das sich ausprobieren und sich reiben (die Pubertät) wird dann von aussen eher als etwas Störendes empfunden, das es bald möglich zu überwinden gilt. Dabei passiert in dem Moment etwas Wundervolles, Magisches: ein neuer Schmetterling bringt sich ins Leben. Mit dem Angebot von Wandelzeit möchten wir einen «geschützten Raum» bieten für genau diesen Prozess; einen Raum, in dem Mädchen sein dürfen, wie sie sind, all ihre Fragen, Freuden und Sorgen Platz haben und sie würdevoll in diesem Wandel begleiten werden. Dann nämlich können in diesem Findungsprozess wertvolle Ressourcen entdeckt werden. Übrigens ist dieser Übergang im europäischen Lebensrad auf den 01. Mai datiert. Passt also perfekt zu unserem Gespräch bzw. dem Veröffentlichungsdatum des Porträts.


Warum existiert das Angebot nur für Mädchen? Jungs durchlaufen diesen Transformationsprozess doch ebenso.

Da sprichst du etwas an: Als Mutter von zwei Jungs, von dem sich einer davon gerade in diesem Prozess befindet, und noch dazu als Person, der Diversität extrem wichtig ist, hat sich bei mir schon Irritation geregt und viele Fragen eröffnet, ein Angebot ausschliesslich für Mädchen ins Leben zu rufen. Gleichzeitig ist es mir (auch aufgrund meiner eigenen Geschichte) ein Anliegen, Mädchen in ihrem Selbstwert und Selbstbewusstsein zu stärken. Ich möchte sie in ihrer Emanzipation stärken. Auf längere Sicht gesehen will sich das Wandelzeit-Netzwerk aber natürlich auch mit Menschen verbinden, die Transformationsprozesse bei Jungs und Männern, sowie für Queer Menschen, begleiten.


Du meintest, dass dir Diversität wichtig ist. Gleichzeitig machst du dich besonders stark für Frauenthemen, leitest Frauenkreise und Mädchenbanden.

Das ist eine Polarität, die mich begleitet, ja. Letztlich vereint jeder Mensch weibliche und männliche Qualitäten in sich, ist Diversität Teil in jedem von uns. Dies gehört zu meinen Grundannahmen. Und doch; es gibt Frauen. Schon allein aufgrund unseres weiblichen Körpers prägen uns bestimmte Qualitäten stärker. Insofern ist es für mich kein Widerspruch Mädchen bzw. Frauen, die sich als Frau in ihrem Körper wahrnehmen, in ihrem Frau-Sein zu stärken und sie dabei zu begleiten ein Bewusstsein für sich selbst und ihren Körper zu entwickeln. Gleichermassen ist es mir aber wichtig, dass die Mädchen in der Mädchenbande und bei der Wandelzeit erfahren, dass es verschiedene Möglichkeiten von sexueller Identität gibt und beispielsweise auch andere Lebensentwürfe statt Kleinfamilie oder Monogame Beziehungen möglich sind bzw. früher gelebt wurden. In dieser Hinsicht hat das Christentum sehr deutlich unsere Vorstellung von Geschlechterzusammenleben und auch unser heutiges Frauenbild geprägt. Dieses konventionelle Bild von Moralvorstellungen möchte ich mit einem Blumenstrauss an Möglichkeiten kreativ erweitern.

Dass du basierend auf deinen Erfahrungswerten als Frau Mädchen in ihrem Wandel zur Frau begleitest, macht ja durchaus Sinn. Du sprichst auf deiner Webseite in diesem Zusammenhang von gelebter weiblicher Urkraft. Könnte nicht besser zum Weltfrauentag, auf den dieses Gespräch fällt, passen (jedes Jahr am 08. März). Was bedeutet das für dich – weibliche Urkraft?

Die weibliche Urkraft liegt für mich tief im zyklischen Wesen von Frauen verankert. Wir durchlaufen aufgrund unseres weiblichen Körpers jeden Monat vier Zyklusphasen, ähnlich den vier Jahreszeiten. Wir können Leben gebären – in physischer Form, sprich: Kinder; aber auch Ideen und Projekte ins Leben bringen. Und nur weil wir menstruieren, sind wir noch lange keine Opfer. Im Gegenteil, es ist eine Ressource! Dies in einer Leistungsgesellschaft zu erkennen und zu leben, ist für mich schon ein grosser Schritt in Richtung gelebte weibliche Urkraft.


Und wie können wir uns als Frauen mit dieser Kraft gezielt verbinden – wie machst du das?

An sich ist alles bereits in uns vorhanden. Die Kunst ist vielmehr, uns unserem zyklischen Wesen bewusst zu sein, die verschiedenen Qualitäten und Bedürfnisse in den jeweiligen Zyklusphasen zu kennen und dies dann auch in den Alltag zu integrieren. Jede Zyklusphase hat nämlich ihre eigenen Ressourcen. So wie bei der Medizin: Wissen, wann welches Mittel angebracht ist und im entsprechenden Moment zur Heilung beiträgt. Ich persönlich versuche, soweit es mir möglich ist, den Zyklusphasen in meinem Alltag Raum zu geben und wenn möglich auch meine Agenda darauf auszurichten.


[ Mein Jahresverlauf ist zyklisch ausgerichtet. ]

So ist mein persönlicher Jahresverlauf in die verschiedenen Zyklusphasen eingewebt: Im Winter komme ich zur Ruhe, um dann im Frühling gestärkt und voller Energie loszulegen. Meist übernehme ich mich in dieser Phase mit verschiedenen Projekten, bleibe aber in Verantwortung dafür, um dann am 1. August bereits den ersten Schnitt zu vollziehen – Dinge sortieren und bündeln, teilweise absagen ... um im Herbst langsam ruhiger zu werden.


[ Auszeit während meiner Mondzeit ist für mich sehr wichtig. ]

Vor allem aber räume ich mir in meiner monatlichen Mondzeit (Anm.: Menstruationsphase) konsequent eine Auszeit ein und ziehe mich für mindestens einen Tag aus allem zurück; komme zur Ruhe, reflektiere den vergangenen Monat, versuche mich zu «leeren» und lasse mich bewusst ins Weich-Werden sinken. Früher haben Frauen in ihrer Mondzeit Visionen empfangen, die den Schamanen des Dorfes als Inspiration dazu dienten, die Gemeinschaft weise zu führen.


Visions- & Mondzeiten sind beim Lebensrad dem Winter zugeordnet. Wenn wir vom Frühling ausgehend das Jahreskreis-Rad weiterdrehen, gelangen wir erstmal in den Sommer. Mitten in die Phase des Tuns: Du hast dich bereits mit 23 Jahren selbständig gemacht mit den Waldkindern Mariposa, warst Veranstalterin in der Kulturbranche, Performerin bei Tanz/Theater, bist aktuell neben deiner Selbstständigkeit als Naturcoach auch Mitarbeiterin in der Waldschule Winterthur und Gartenleiterin im Migrationsbereich. So einiges an Feuerenergie (die ja für die Sommerqualität steht). Was waren Momente, in denen das Feuer zu stark gebrannt hat?

Als ich 24 Jahre war, stand ich knapp vor einem Nervenzusammenbruch. Ich habe mich lange hauptsächlich über Leistung definiert, mich sehr im Aussen orientiert und war viel im Machen-Modus – Innehalten und Nichtstun hatten für mich nicht den gleichen Wert wie heute. Ich habe mich dann zum Glück komplett raus genommen, ging für einen Monat auf einen Bergbauernhof arbeiten und entschied, mich vermehrt meiner Muse zu widmen. Diese Zeit in meinem Leben hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, regelmässig Ruhepausen einzulegen. Heute spüre ich rechtzeitig, wenn es zu viel wird. Wenn ich zu lange die Zeichen vernachlässige, die nach Auszeit rufen, dann fühlt es sich eher an wie ein «über Wasser halten», denn wie «aus der eigenen Mitte heraus». Spätestens dann weiss ich, dass es höchste Zeit ist, mal wieder durchzuatmen, ab in den Wald, eine Meditation einlegen, Ruhe halten, mich in Trance begeben, meine Sinnlichkeit leben.


Was hilft dir nicht auszubrennen?

In erster Linie, dass ich das machen darf, was ich liebe! Weil mir das wieder Kraft zurück gibt.

Und Humor! Ich kann in den strengsten Situationen vor Übermut Witze reisen, die relativieren dann meine persönliche Stresssituation. Wenn ich ausserdem meine zyklische Winterzeit und damit Ruhephasen regelmässig pflege, dann kann ich zu anderen Zeiten (=zyklischer Sommer) auch mit «vollem Karacho» durchstarten, ohne dabei auszubrennen. Meiner Meinung nach braucht die Welt Menschen und Frauen, die in ihrer Kraft Verantwortung übernehmen und dem Ganzen dienen. Solange sie nicht vergessen, auch immer wieder Auftank-Zeiten einzulegen. In feurigen Sommerzeiten die Anbindung an den Ruhepol Winter nicht zu verlieren, das wäre mein Geheimrezept für Burnout-Prävention. So oder so gibt es beim zyklischen Leben kein besser oder schlechter; keine Wertung, ob Tun oder Innehalten, ob Vollgas oder Auszeit, ob Empfangen oder Geben, besser ist. Denn nur durch das Durchlaufen aller einzelnen Phasen mit ihren jeweiligen Qualitäten schliesst sich der Kreis.


Im Sommer des Lebens nehmen Frauen oft eine Mutterrolle (physischer wie geistiger Art) ein und tragen Fürsorge für andere/s. Du bist Mutter von zwei Söhnen. Wie hast du den Übergang in die Mutterrolle erlebt?

Die Schwangerschaft mit meinem ersten Sohn war für mich ein prägendes Erlebnis. Wie bereits erwähnt, verliefen meine ersten 23-25 Lebensjahre eher leistungsorientiert und ungebremst. Ich war viel beschäftigt, hatte eine Tanzausbildung abgeschlossen und war in verschiedener Hinsicht ein eher drahtiges Wesen. Als 28-jährige Mutter wurde ich weicher – auch körperlich gesehen (im Laufe der Schwangerschaft habe ich 22 kg zugenommen), habe mich 1,5 Jahre beruflich komplett raus genommen und war glücklich damit, einfach für dieses kleine Wesen Dasein zu dürfen. Ich habe die Qualität von «sich hingeben» voll ausgelebt und es genossen.


Das hört sich nach einer ziemlich krassen Transformation an, dem Wechsel von einem Pol zum Gegenüberliegenden.

Mag sein. Für mich war es jedenfalls zu dieser Zeit genau die Qualität, die für mich passend war. Wenn ich etwas lebe, dann nämlich gerne in seiner ganzen Intensität. Was in dem Moment für mich schwieriger war, war eher, wenn ich als Person mit linkspolitischen Prinzipien auf Frauendemos mit Sätzen konfrontiert wurde wie «Frauen gehören nicht an den Herd». Denn genau das war zu diesem Zeitpunkt eigentlich meine Lebensrealität. Doch solange es eine bewusste Entscheidung und für alle Beteiligten stimmig ist, dann gehört das für mich zur Diversität an Lebensmodellen dazu.


Nun wachsen deine Söhne langsam aus dem Haus – und ein weiterer Übergang steht vor der Tür: Der Herbst, bei den Frauen ist damit die Menopause verbunden. Was rückt damit jetzt für dich in den Blick?

Noch hat der Übergang der Menopause bei mir nicht angeklopft, aber auf den Weg habe ich mich gemacht. Letztlich ist jeder Übergang eine Schwelle, bei der wir zurückschauen dürfen auf das, was geschehen ist und uns fragen: «Über was freue ich mich?», «Was bedaure ich gegebenenfalls?». Schwellen sind somit immer Übergänge zwischen Trauer, weil ich etwas hinter mir lasse, und Vorfreude auf das, was kommt. Am Anfang dieser Schwelle stehend habe ich nun die Chance mir klar zu werden, was jetzt noch gelebt werden möchte bzw. was es braucht, damit ich gut und mit Freude über diese Schwelle gehen kann.


Von Frauen, die diese Schwelle bereits überschritten haben, habe ich mir sagen lassen, dass diese Lebensphase mit neuer Freiheit einhergeht: Von der Fürsorge für andere rückt nun wieder die Fürsorge für sich selbst in den Fokus – «Nicht mehr müssen, sondern dürfen», habe ich mir sagen lassen. Dies als kleiner Vorfreude-Teaser vorneweg ;) Worauf freust du dich in diesem kommenden Lebensabschnitt?

Auf’s weiser werden; im übertragenen Sinne. Sprich: Auf die weise Qualität, die mit dem Älterwerden einhergeht.


Weise, weiser, am weis(s)esten ... das Jahresrad dreht weiter: Im Winter legt sich Schnee auf die Erde und es kehrt Ruhe ein. Aus wild wird still. Aus Konkretem wird erahnen. Aus sehen wird erspüren. Dich hat schon immer die Welt hinter dem Sichtbaren fasziniert. Nicht umsonst bindest du Märchen, Mythen und mythodramische Inszenierungen in deine Arbeit ein. Was kommt deiner Meinung nach hinter dem Sichtbaren zum Vorschein?

Ein Kosmos, der sich schwer bzw. gar nicht in Worte fassen lässt, weil er sonst beschrieben wird mit etwas, das unserer physischen Wahrnehmung entspringt. Es gibt meiner Meinung noch mehr als das, was wir mit unseren fünf (physischen) Sinnen wahrnehmen – eine Art sensitives Feld; das, was noch im Raum ist. Jeder Mensch hat die Wahrnehmungsfähigkeit dafür. Nur leider haben wir grösstenteils verlernt, sie zu nutzen.


Und wie können wir diese dann für uns greifen bzw. diese Wahrnehmungsfähigkeit schulen?

Indem wir uns (r)einspüren; intuitiv verstehen. Auch hier kommt die Qualität von Innehalten zum Tragen: Meist ist der erste Impuls, den wir empfangen, ein wichtiger Hinweis. Der Kopf bzw. der Verstand schaltet sich oft erst einen Tick später ein. Das hingegen kann dann zu Verwirrung führen, weil uns der erste, intuitive Impuls eine andere Botschaft sendet als unser Verstand. Oft müssen wir erst wieder lernen unserer Intuition wirklich zu vertrauen; meist zeigt sich im Nachhinein sowieso, wenn wir nicht auf den «inneren Kompass» gehört haben.


Neben der Intuition zeichnet sich der Winter aber ja auch durch Vergehen und Sinken-Lassen aus, durch Dunkelheit und Momente des Nicht-Wissens, wie es weitergeht. Wann hattest du in deinem Leben schon solch einen Winter-Moment?

Immer wieder durchlebe ich Winter-Momente. Ein sehr prägender, sehr früh erlebter Wintermoment war für mich jedoch, als sich meine Eltern getrennt haben. Ich war damals 11 Jahre alt und mein Leben hat sich dadurch gefühlt komplett aufgelöst.