Heldin des Alltags: Andrea Burkhalter

[ Heldinnen-Porträt September 2022 ]


[ Urbane Dörfer I Burkhalter Organisationsentwicklung I Interview am 17.05.2022 ]



Heldinnen-Affirmation:


Folge deinen Werten. Sei Wegbereiter:in für andere.

Folge unerschrocken und mutig deinen Zielen und setz dich für Dinge ein, die dir wichtig sind. Eröffne dir (und anderen) neue Wege und hinterlasse zukunftstaugliche Spuren in dieser Welt.

 

Mit Andrea Burkhalter verbindet mich die Freude(Leiden-)schaft für zukunftsweisende Wohn- & Lebensformen und das Engagement für eine Enkel:innen-taugliche Welt. Kennengelernt habe ich Andrea im Kontext von Urbane Dörfer – eine Genossenschaft, die urbanes Leben co-kreativ, ganzheitlich und suffizient entwickeln möchte.

Andrea nimmt ihren Gestaltungsspielraum in der Gesellschaft wahr und weitet diesen proaktiv und selbstbestimmt in verschiedene Richtungen. Sie schafft Nährböden, auf denen Entwicklung passiert, und kultiviert Umgebungen, in denen regenerative Systeme wachsen können. Sie lebt «zukunftstauglich» vor und erkundet neue Wege und Möglichkeiten, damit auch die Generationen nach uns einen lebenswerten Planeten vorfinden – darin liegt für mich ihre Heldinnen-Essenz.



Andrea, dich bewegt die Frage «Wie können wir die heutige Art zu leben zukunftstauglich transformieren?». Was ist aus deiner Sicht nicht zukunftstauglich an der Art und Weise, wie wir aktuell leben?

So einiges. Das zeigt sich für mich unter anderem durch den Verlust von Lebensräumen und das Massensterben an Arten, das gerade passiert. Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann wird es künftig viele Tiere und Pflanzen nicht mehr geben. Zum Teil sogar Arten, die vielleicht noch gar nicht entdeckt sind. Zum anderen ist unser Ressourcenverbrauch und die massive Nutzung fossiler Energieträger ein wesentlicher Indikator. Diese natürlichen Ressourcen haben sich über Millionen von Jahren gebildet und wir verbrennen sie einfach innerhalb weniger Jahre. Der so genannte Swiss Overshoot-Day, der dieses Jahr im Mai stattfand, spricht Bände (Anm.: Weitere Infos zum Swiss Overshoot-Day siehe Linklist unten). Laut diesem Ansatz sind die Ressourcen, die wir in der Schweiz dieses Jahr nutzen könnten, seit Mai verbraucht. Seitdem leben wir «auf Pump», sprich: auf Kosten aller künftigen Generationen und auch auf Kosten von gestern.


Um mögliche Ansätze zu erforschen und auszuprobieren, beschäftigst du dich auf verschiedenen Ebenen mit oben genannter Frage. Unter anderem als Mitgründerin und Vorstand bei der Genossenschaft «Urbane Dörfer». Worum geht es bei Urbane Dörfer?

Mit Urbane Dörfer möchten wir regenerative Städte gestalten und das Leben von morgen innerhalb unserer planetaren Grenzen ausloten. In der Vergangenheit lag der Fokus bei nachhaltigem Wohnen & Leben primär auf dem Energieverbrauch von Gebäuden im Betrieb. Heute werden Gebäude in der Schweiz im Durchschnitt nach 40 Jahren bereits abgerissen. Die Ressourcenverschwendung ist damit enorm. Wir wollen weitergehen und die Zukunftsfähigkeit im Sinne eines regenerativen Systems ganzheitlicher angehen. Wir möchten den gesamten Lebenszyklus miteinbeziehen und betrachten, woher die Materialien für den Bau der Gebäude stammen, inwiefern Materialien recycelt und Stoff-Kreisläufe geschlossen werden können und wie graue Energie im Bau und mittels Wiederverwertung gespart werden kann. Ausserdem ist das Thema Mobilität integraler Bestandteil unseres Konzeptes: Ein Urbanes Dorf lebt von kurzen Wegen dank vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten vor Ort. Indem Nachbarschaften gestaltet werden, bei denen Dinge und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs vor Ort verfügbar sind, soziale Kontakte direkt nebenan gepflegt werden können und Siedlungen als Lern-, Wohn-, Arbeits- & Sozialnetz fungieren, reduziert sich automatisch das Mobilitätsaufkommen und der Pendler:innenstrom.


[ Urbanes Dorfleben ist eine Haltung. ]

Gleichzeitig ist diese Art des Wohnens und Lebens auch mit einer Lebenseinstellung verbunden: Gut leben können, ohne alles haben zu müssen. Mit weniger Ressourcenverbrauch suffizient (Anm.: Suffizienz bedeutet bewusst auf materielle Ressourcen zu verzichten, um den Ressourcenverbrauch zu minimieren) zu leben und dennoch ein reiches Leben führen zu können.

Das alles ist ein schrittweiser Prozess, bei dem wir mit Urbane Dörfer selbst Antworten auskundschaften und versuchen, Beispiele zu schaffen, die solche Lebensweisen erfahrbar machen.


Jetzt hast du von Suffizienz gesprochen. Dieser Begriff wird nach wie vor oft mit Verzicht und Einbussen gleich gesetzt. Andere hingegen betonen den Gewinn, den wir daraus persönlich ziehen. Was gewinnen wir deiner Meinung nach, wenn wir suffizient leben?

Für mich steht im Fokus, welche neuen Möglichkeiten sich durch einen suffizienten Lebensstil eröffnen und nicht, was wir damit vielleicht alles nicht mehr (in dem Masse wie bisher) können. Letztlich geht es doch darum, Wege zu finden, wie wir nach wie vor mit Freude leben können innerhalb des Möglichkeitsraums, den wir haben. Sich zu fragen, was ich wirklich zum Leben brauche, kann grosse Freiheit mit sich bringen. Denn dann wird das Leben weniger von Gütern bestimmt, um die ich mich kümmern muss, die mit Unterhalt verbunden sind (wie zum Beispiel der Unterhalt einer grossen Wohnung) und finanzielle Mittel binden (wie beispielsweise ein eigenes Auto). Dadurch entsteht mehr Raum für anderes – wie gemeinschaftliches Leben und ein lebendiges Beziehungsnetz. Raus aus der Isolation, rein ins soziale Leben, das idealerweise direkt vor der eigenen Haustür stattfindet.


Damit sprichst du einen Aspekt an, der bei Urbane Dörfer mindestens ebenso wichtig ist wie der ökologische Umgang mit Energie & Ressourcen: das soziale Miteinander in einer lebendigen Nachbarschaft. Ihr möchtet Stadt bottum-up gestalten, also partizipativ von den Bedürfnissen der künftigen Bewohnenden her gedacht. Wie lässt sich das realisieren und welche Hebel unterstützen bottum-up’s?

Richtig, das ist ein sehr zentraler Gedanke bei Urbane Dörfer. Bislang werden Gebäude und Wohnungen in der Regel architektonisch konzipiert, ohne dass künftige Mieter:innen bei der Gestaltung Mitsprache erhalten. Dabei hat die Gestaltung von Gebäuden grossen Einfluss darauf, ob Begegnung und Miteinander stattfinden kann, ebenso wie auf künftige Nutzungsmöglichkeiten. Das war auch einer der Gründe, warum ich Urbane Dörfer mit initiiert habe: Weil ich mich zum damaligen Zeitpunkt in einem fremdbestimmten Mietsystem befand, meine Wohnungssituation aber mitgestalten wollte.


[Reallabore als Inseln für Begegnung & Dialog. ]

Mit Reallaboren pionieren wir das urbane Leben. Wir testen Dinge im Kleinen, die später gebaut werden sollen. Die lokale Community testet damit im echten Leben. Etwa Pionierwohnen, Urban Gardening, Gastro-Angebote oder Kunstprojekte. Indem vor Ort Leben entsteht, schaffen wir eine fassbare Anlaufstelle für die Nachbarschaft und Interessierte. [ Arealplanungen aus dem Elfenbeinturm holen. ]

Auf Ebene von Arealplanungen bietet es sich an, Menschen, welche die Sicht künftiger Nutzer:innen einbringen, von Anfang an in den Prozess einzubeziehen. Aktuell wird zunächst die Planung erstellt und erst am Ende möglichen Bewohnenden vorgelegt. Dabei ist jede:r von uns Wohnexpert:in und hat eine Idee davon, wie sie/er leben, arbeiten und wohnen möchte. Wir möchten mit Urbane Dörfer den Spiess umdrehen und mit dem Credo «Community first» Menschen direkt zu Beginn in den Planungsprozess involvieren. Wir arbeiten nach einer systematischen Methodik, dem integral-evolutiven Entwicklungsansatz. Damit führen wir die sozialen Prozesse entlang des Entwicklungs- und Bauprozesses.


Partizipatives Vorgehen, Kollaboration und gemeinschaftliches Leben & Sharing spielen bei Urbane Dörfer eine grosse Rolle. Miteinander unterwegs sein ist aber auch nicht immer ein Zuckerschlecken, sondern enthält so einiges an Konfliktpotential, da unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse aufeinandertreffen. Wie wird dem bei Urbane Dörfer Rechnung getragen – wird das in irgendeiner Weise schon im Planungsprozess einbezogen?

Das ist in der Tat ein sehr essenzielles Thema bei jeglicher Form von Zusammenleben und -arbeiten. Bei Urbane Dörfer haben wir als Team verschiedene Strukturen geschaffen, um damit möglichst konstruktiv umzugehen. Zum einen haben wir einen definierten Prozess, wie beim Auftreten eines Konflikts vorgegangen wird: Zunächst suchen die Betroffenen das Gespräch unter sich, falls nötig wird in einem weiteren Schritt ein neutrale:r Moderator:in hinzugezogen und, wenn dann keine Lösung in Sicht ist, wird der Kreis, in welchen die Betroffenen eingebunden sind, involviert. Zum anderen arbeiten wir spannungsbasiert: Wir fragen danach, welche Spannungen aktuell im Team vorhanden sind – auf persönlicher Ebene ebenso wie auf Organisationsebene, und priorisieren diese entsprechend der Frage, welche zielgefährdend sind. So bleibt der Fokus auf unsere Vision gewahrt. Zudem orientieren wir uns an einem Community Building Rad, welches unterschiedliche Kompetenzen aufzeigt, um Gemeinschaftsbildung zu fördern. Anhand dieses Modells können wir uns immer wieder bewusst machen, welche Kompetenzen bei uns weiter gestärkt werden sollten.


[ Die Waschküche – das ewige Konfliktpotential. ]

Aber auch auf Ebene der geplanten Siedlungen bei Urbane Dörfer versuchen wir Konfliktpotential zu minimieren. So gibt es Fettnäpfchen, in die wir dank der Erfahrungen anderer Genossenschaften nicht hineintreten müssen, wie beispielsweise das Thema «Reinigung» von gemeinschaftlich genutzten Räumen in Gebäuden. Das ist ein Thema, bei dem Konflikte schon von vornherein vorprogrammiert zu sein scheinen. Solchen Konflikten lässt sich durch entsprechende Rahmensetzung vorbeugen (im genannten Fall: Reinigung extern organisiert). Wissen, Erfahrungen und Learnings zwischen verschiedenen Projekten zu teilen, ist eine wertvolle Ressource.

Wenn du das Community Building Rad auf deine Person beziehst: Welche Kompetenz(en) möchtest du in Zukunft bei dir stärken?

Da meiner Meinung nach ein konstruktiver Umgang mit Konflikten eine der zentralen Kompetenzen ist, damit wir uns als Gesellschaft weiterentwickeln können, erachte ich dies auch für meine eigene Persönlichkeitsentwicklung als besonders relevant. Insbesondere möchte ich stärker öffentlich für das eintreten, was mir wichtig ist und dafür kämpfen, wenn ich etwas als nicht in Ordnung empfinde. In diesem Zusammenhang merke ich, dass ich mich (als Frau) manchmal zu stark zurücknehme. Sich dem «Gegenwind» zu stellen, der einem dann entgegenblasen kann und mit Widerständen und Konflikten umzugehen, zieht viel Energie. Letztlich ist es das aber wert.


Du wohnst in Bern. Darf ich fragen, in welcher Wohnform du aktuell lebst?

Ich bin seit einem halben Jahr in einer sehr progressiven, partizipativ organisierten Wohnbau-Genossenschaft zuhause und fühle mich da genau am richtigen Platz. Ich bin dankbar und schätze es sehr, jetzt in dieser selbstorganisierten und gemeinschaftsorientierten Umgebung zuhause zu sein.


Gemeinschaftlich zusammenleben – wie willst du leben, wo liegen Grenzen für dich?

Auch wenn ich früher in Wohngemeinschaften (WG’s) gelebt habe und auch heute gemeinschaftlich zusammenleben möchte, so ist mir doch ein privater Rückzugsort wichtig – eine Wohnungstür, die ich hinter mir zumachen kann. Im Alter könnte ich mir vorstellen in einer Cluster-Wohnung zu leben – einer Wohnform, bei der mehrere in sich abgeschlossene, kleinere Wohneinheiten um einen Gemeinschaftsbereich (grosse Küche und Wohnzimmer) geclustert sind.


Und wie bist du aufgewachsen? Auf dem Dorf oder im Urbanen Gefüge?

Ich bin in einem Bauernhaus im ländlichen Gebiet gross geworden – wie viele, die sich bei Urbane Dörfer engagieren, ebenfalls in einem Dorf aufgewachsen sind.


Was vom Dorfleben möchtest du gern ins Urbane Dorf transferieren?

Am liebsten würde ich das «Gute» vom «idealen Dorf» dort sehen. Vielfalt auf kleinem Raum, tragfähige Nachbarschaften, Dorfplätze, die den sozialen Austausch fördern, lokale Erwerbsmöglichkeiten sowie ein Miteinander mit der Natur. Ausserdem die Möglichkeit, den eigenen Lebensraum selbstbestimmt gestalten und nutzen zu können.


Und was würdest du dir anders wünschen als beim «klassischen» Dorfleben?

Für alles selbst verantwortlich und zuständig zu sein. Als Kind, das in einem Haus mit grossem Umschwung aufgewachsen ist, habe ich mir manchmal gewünscht, in einer Mietwohnung zu wohnen und weniger Zeit in den Unterhalt von Haus und Hof stecken zu müssen. Ausserdem würde ich mir etwas mehr «Stadtluft» ins Dorf wünschen: Auf dem Land sind vorwiegend klassische Lebensentwürfe zu finden. Menschen, die andere Wege ausprobieren und Bestehendes in Frage stellen, sind eher in der Stadt zu finden.


Als Person, die neue, zukunftstauglichere Wege ausserhalb des traditionellen Settings erforscht, ist solch eine Umgebung natürlich essenziell, damit du deinen Werten entsprechend leben kannst. Umso wunderbarer, dass du mit deinem Engagement für Urbane Dörfer solche Wege ebnest. Aktuell ist Urbane Dörfer in Entwicklung der ersten Projekte und Areale, insbesondere eine Büroumnutzung in Zollikofen. Willst du dort später auch einmal wohnen?

Aktuell ist das nicht geplant – ich fühle mich sehr wohl in meinem momentanen Wohnkontext. Ich sehe mich eher als Wegbereiterin und mein Engagement bei Urbane Dörfer als (m)einen Beitrag, zukunftstauglicheres Leben zu ermöglichen.


Nun ist Urbane Dörfer nur eine Ebene, mit der du dich für einen Wandel einsetzt. Als selbstständige Organisationsentwicklerin berätst du KMU und bist ausserdem bei den Grünliberalen auf politischer Ebene aktiv. Du siehst dich dabei als Gestalterin und Gärtnerin. Kannst du erklären, wie du das meinst?

Auch hier kommt mir das Bild von der Wegbereiterin in den Sinn: Ich bereite Organisationen und Projekten leidenschaftlich gern den Weg hin zu einer zukunftstauglichen Version ihrer Selbst und begleite sie auf diesem Weg. Ich liebe die Vielfältigkeit, die diese Arbeit mit sich bringt, und das Ganzheitliche und Vernetzte daran. Bei meinen Tätigkeiten ebenso wie auch beim Gärtnern geht es ausserdem darum, Dingen nicht nur beim Wachsen und Gedeihen zu zusehen, sondern aktiv auf verschiedene Parameter Einfluss zu nehmen, damit sich Pflanzen, Projekte und Organisationen gut entwickeln.


Welche Nährstoffe sind denn aus deiner Sicht förderlich für gesundes Wachstum?

Eine werte- & vertrauensbasierte Organisationskultur ist sicher das A und O. Wenn Mitarbeitende sich vorbehaltslos äussern können und auch Kritik angebracht werden kann, entwickeln sich deutlich bessere Lösungen als in der Einheitsnorm. Ausserdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine gemeinsame Entscheidungsfindung auf Dauer tragfähiger ist als Entscheidungen, die von einigen Wenigen getroffen werden. Insbesondere sollten diejenigen Menschen in den Prozess einbezogen werden, die von den Entscheidungen betroffen sind. Gesundes Wachstum gedeiht in der Regel auf einer gesunden – vielfältigen (Boden-)Kultur. Das ist in der Natur nicht anders als in Organisationen.


Dich persönlich leitet in deinem Leben insbesondere der Wert «Gerechtigkeit». Du hast mir erzählt, dass du eine grosse Achtung hast vor all den Frauen, die für ihre Rechte gekämpft haben und es auch heute noch tun. Der Begriff Held wird ja oft mit Kampf & Kämpfen assoziiert. Ist das beim Wort Heldin für dich auch der Fall – oder verbindest du etwas anderes damit?

Heldinnen – das sind für mich Frauen, die ihrer Zeit voraus sind und ihren Zielen nachgehen. Und ja, auch Frauen, die aus Überzeugung für etwas kämpfen. Frauen, die unerschrocken und mutig neue Pfade beschreiten und aus dem Rahmen ausbrechen, der für sie bisher «vorgesehen» war. Ein beeindruckendes Beispiel solch einer Heldin ist für mich Dr. Anne Innis Dag, eine kanadische Giraffenforscherin, die in den fünfziger Jahren allein nach Afrika aufgebrochen ist und sich in einer Zeit dort durchgeschlagen hat, als dies für Frauen eigentlich überhaupt keine Option war. Sie wurde als Wissenschaftlerin schwer diskriminiert. Eine Professur an ihrer Universität in Waterloo wurde ihr aufgrund ihres Geschlechtes verwehrt. Darauf begann ihr Kampf für Chancengleichheit in der akademischen Welt. Ihre Motivation war, den Weg für jene, die nach ihr kommen, zu ebnen. Tragisch finde ich, dass ihre Geschichte erst ein halbes Jahrhundert später überhaupt einmal aufbereitet und veröffentlicht wurde. So gibt es sicher zahlreiche heldinnenhafte Geschichten von Frauen, die in den Geschichtsbüchern nicht auftauchen, obwohl sie wichtige Themen vorangetrieben haben. Diese Frauen sind (bisher) kein Teil des Schulsystems und damit auch kein Teil des allgemeinen Wissens. Wir lernen in der Schule vieles – das Thema Frauenrechte ist aber zum Beispiel in den Geschichtsbüchern nicht verankert.