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Heldin des Alltags: Anja Knabenhans

[ Heldinnen-Porträt Oktober 2021 ]


[ Any Working Mom I dingdingding I Interview am 16.09.2021 ]



Heldinnen-Affirmation:


Frage dich, was DU willst. Sei dir bewusst, was du hast.

Lass dich von dem leiten, was dir wichtig ist und habe den Mut, auf die eigenen Wünsche zu vertrauen. Sei dir aber auch im Klaren darüber, was schon da ist und was dich stützt.


 

Zunächst bin ich durch die «Power of Connection» von Karin Riklin-Etter auf Anja aufmerksam geworden. Dann tauchte sie auf einmal via Wahlliste für die Frauensession 2021 bei mir auf. Und als ich gesehen habe, dass sie auch bei Any Working Mom als Chief Content mitmischt, war mir klar, dass mich eine neue Heldin für das Oktoberporträt gefunden hat.

Anja engagiert sich auf verschiedenen Ebenen – im ganz alltäglichen Content Kontext ebenso wie im grösseren Rahmen – für Equal Rights, gleiche Rechte für alle. Dafür setzt sie Zeichen – hier & da, still & leise ebenso wie forsch & wunderfitzig. Ihre Kraft als Heldin besteht für mich darin, dass sie immer wieder hinschaut, hinterfragt, neugierig bleibt – und zwar mit doppelsinnigem Blick: Mit einem Auge das ausmachend, was Veränderung bedarf. Mit dem anderen Auge das wertschätzend, was aufbauend und unterstützend ist. Dieser Blick fliesst nicht nur in ihre Texte & Wortmagie ein, sondern übersetzt sich auch ganz konkret in Taten & tatkräftiges Tun.


Wir schreiben den 1. Oktober 2021. Ende Oktober, nämlich von 29.-30.10, wirst du, liebe Anja, als eine von 246 gewählten Frauen an der Frauensession im Bundeshaus in Bern teilnehmen. Das freut mich – Gratuliere! Für diesen Sitz hast du auch meine Stimme erhalten. Und zwar mit folgendem Statement aka «Wahlprogramm»:

«Elternschaft + Berufsleben = Dauererschöpfung⁠. Das ist eines der Probleme, mit denen Frauen* in der Schweiz zu kämpfen haben. Weil Gleichstellung nicht wirklich erreicht ist. Weil Care-Arbeit nicht wirklich wertgeschätzt wird. ⁠Auch ich bin erschöpft. Aber noch längst nicht zu erschöpft, um zu kämpfen. Dafür, dass sich festgefahrene Strukturen ändern. Dass wir gemeinsam bessere Lösungen finden.⁠ Deshalb kandidiere ich für die Frauensession 2021.»


Dass die Vereinbarkeit von Elternschaft + Berufsleben als Chief Content bei der Plattform Any Working Mom ein Thema für dich ist, ist mir bekannt. Was aber hat dich bewegt, dich auf der politischen Bühne für dieses Thema stark zu machen?

Das hängt ebenfalls mit Any Working Mom zusammen. Denn dort ist es uns ein Anliegen, das Thema Gleichstellung im arbeitsrechtlichen wie im privaten Umfeld voranzutreiben. Wir reden und schreiben darüber. Wir möchten aber nicht nur sensibilisieren, sondern wirklich etwas ändern am Status Quo. Mit der Kandidatur wollten wir also ein Zeichen setzen, dass wir unseren Worten konkret Taten folgen lassen. Daher habe ich mich als Vertreterin von Any Working Mom für die Frauensession zur Wahl gestellt.


Die Frauensession wird im Rahmen verschiedener Kommissionen vorbereitet. Du engagierst dich also vermutlich in der «Kommission für Gleichstellung in Arbeit und Absicherung», oder?

Das war die Idee und stand an oberster Stelle bei der Auswahl für drei mögliche Kommissionsoptionen, die ich angeben konnte. Doch es kam anders als gedacht (wie ja immer mal wieder im Leben) und so bin ich in der «Kommission für Sexuelle Gesundheit und Gender-Medizin» gelandet. Raus aus der Comfortzone. Rein in ein Thema, mit dem ich mich bisher kaum auseinandergesetzt habe. Glücklicherweise bin ich sehr begeisterungsfähig und offen für Neues. So habe ich im Rahmen der zwei bereits stattgefundenen Kommissionssitzungen einiges zum Thema gelernt, das mir vorher nicht bewusst war. Beispielsweise, dass bei wissenschaftlichen Studien oft nur ein geringer Anteil an Frauen teilnimmt und viele Forschungsergebnisse damit «Gender-verzerrt» sind. Oder aber, dass der Sexualkundeunterricht von Kanton zu Kanton völlig unterschiedlich gehandhabt und zum Teil auch recht oberflächlich abgehandelt wird. Letztlich wurde mir aber auch bewusst, wie eng verzahnt die verschiedenen Themenbereiche miteinander sind. Wenn ich an dem einen Rad drehe, bewegt sich auch das andere.


[ Wellen schlagen. Etwas in Bewegung bringen. ]

Ich sehe diese Kommission als Chance, Informationen rund um Gleichstellungsaspekte zu teilen, die nicht so präsent im öffentlichen Bewusstsein stehen. Wir können bei Any Working Mom eine recht grosse Community erreichen. Und so habe ich direkt nach der ersten Kommissionssitzung Informationen und Learnings zu diesen Themen gepostet, um zumindest dafür zu sensibilisieren. Mir ist bewusst, dass sehr wahrscheinlich nicht alle Forderungen der Frauensession umgesetzt werden. Aber so kann ich immerhin anders Zeichen setzen und Wellen schlagen.


Gleichstellung – was hat das mit dir und deinem Leben zu tun? Wie kommt es, dass du dafür so deine Stimme erhebst?

Auf den ersten Blick wirkt es, als ob mein Leben damit kaum Berührungspunkte hat: Ich bin in einem feministischen Elternhaus aufgewachsen, in dem Männer wie Frauen gleich viel Wert waren. Insofern wurde ich unterstützt und gefördert, mit dem, was mich als Person ausmacht. Mir wurde nie das Gefühl gegeben, aufgrund meines Geschlechts irgendetwas nicht werden zu können. So war ich jahrelang als Sportjournalistin tätig und auch da hatte ich ein Team um mich herum, das mich unterstützt und bestärkt hat. Mein Partner teilt diese Werte ebenfalls. Und mit meiner Selbstständigkeit verdiene ich genug Geld, um auch finanziell gleichgestellt zu sein.


[ Mir geht es gut. Genau deshalb kann ich mich dafür einsetzen, dass dies auch für andere Realität wird.]

Und genau das ist der springende Punkt: Mir ist bewusst, in was für einer privilegierten Situation ich mich befinde. Genau aus diesem Grund engagiere ich mich. Um mich für gleiche Rechte für diejenigen auszusprechen, die weder die gleichen Ausgangschancen wie ich noch Zeit oder sonstige Möglichkeit haben, sich für dieses Thema stark zu machen.

Du hast den Begriff «Feministisch» erwähnt. Ein Begriff, der unterschiedlich konnotiert ist. Was verstehst du darunter?

Gleiche Rechte für alle. Ich halte mich bewusst raus aus Diskussionen rein um Begrifflichkeiten und würde mir wünschen, dass wir loskommen von stereotypischen Debatten um die Frage, ob Feministen jetzt Lippenstift tragen dürfen oder Haare unter den Achseln haben. Wir sollten meiner Meinung nach aufhören, uns gegeneinander auszuspielen (wie das leider oft beim Thema Berufstätigkeit versus Carework @home der Fall ist) oder festgefahrene Stereotypen zu bedienen. Mir geht es vielmehr darum, das Eigentliche ins Zentrum zu stellen: Die Förderung von Equal Rights – und zwar für alle, unabhängig von Genderzuschreibungen.


Ein klares Statement, das noch einmal mehr in den Vordergrund rückt, worum es dir geht: Nämlich gemeinsam bessere Lösungen finden statt sich im Gegeneinander verlieren.


Um auf deine eigene Heldinnenreise zurückzukommen: Auch du hast die Herausforderung Berufstätigkeit und Mutterschaft meistern müssen. Treffenderweise schreibst du in einem deiner Artikel, dass mit der Geburt eines Kindes auch die Eltern auf die Welt kommen. Wie hast du das erlebt, als du auf einmal als Anja Working MOM auf die Welt kamst?

Eigentlich war alles bestens organisiert. Mein Partner und ich hatten die Betreuung durchdacht, geplant und koordiniert. «Alles Safe» – dachten wir. Doch unser Sohn dachte das anders und hat partout meine Nähe gewünscht; und zwar genau während meiner Abend- und Wochenendschichten. Das war eine grosse Belastungsprobe für uns alle. Noch dazu waren wir erst kurz davor umgezogen, unsere Energiereserven waren also sowieso bereits angezapft.


[ SO EINE bin ich also. So eine, die den Job, um die Familie herum arrangiert. ]

Letztlich habe ich mich bereits nach ein paar Monaten entschieden, meinen «sicheren» Job in der NZZ-Redaktion an den Nagel zu hängen, um mehr Zeit mit meinem Sohn verbringen und als Selbstständige Berufstätigkeit und Mutter-Sein für mich flexibler handhaben zu können. Das hat mir nicht nur verständnisvolle Blicke und Kommentare eingebracht.

Ein zentraler Grund für die Kündigung war sicherlich auch mein eigenes Pflichtbewusstsein bzw. den Druck, unter den ich mich selbst gestellt habe. Ich konnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, weniger zu leisten als die anderen im Team. Das Gefühl zu versagen bzw. seinen eigenen Erwartungen nicht zu entsprechen, empfindet man/frau als Mutter ja sowieso oft genug. In dem Moment wollte ich dieses Gefühl nicht auch noch beruflich haben.


[ Einmal eine Extrawurst bitte! ]

Sowohl mein damaliger Chef wie auch meine Kolleg:innen haben mir zwar stets zu verstehen gegeben, dass sie die veränderte Situation mittragen. Aber ich selbst konnte in diesem Moment nicht aus meiner Haut und wollte keine «Extrawurst braten». Aus heutiger Sicht sehe ich das etwas anders: Warum nicht in solch einer herausfordernden Zeit genau SO EINE Extrawurst beanspruchen? Rückblickend hätte es nämlich sicher verschiedene Lösungen gegeben. Im damaligen Moment war mir der zusätzliche Druck aber einfach zu viel. Unabhängig davon bereue ich den Weg in die Selbstständigkeit auf keinen Fall. Das war eine der besten Entscheidungen, die ich getroffen habe.


Du sagst es: Als frischgebackene Eltern (und auch später) ist das Stresslevel oft so hoch, dass zusätzlicher Druck, ein Stressfaktor mehr, einfach zu viel sein kann.


Du hast jetzt mehrfach betont, wie wertvoll du es erlebst, von einem Umfeld umgeben zu sein, das dich stützt und unterstützt. Sei es deine Eltern, deine jetzige Familie, dein Partner, dein Arbeitsteam. Bewundernswert, wie sehr du dir dessen bewusst bist und es auch immer wieder hervorhebst! [Kleiner Exkurs dazu aus der Positiven Psychologie: Nährende, stützende Beziehungen sind ein Pfeiler für starke Resilienz, also die Fähigkeit mit widrigen und herausfordernden Umständen umgehen zu können. ]


In eine ähnliche Richtung geht auch die Idee des Elternnetzwerks, das du aufbauen möchtest – gegenseitige Unterstützung unter benachbarten Familien.

Genau. Entstanden ist diese Idee aus unserem eigenen Familienalltag. Zusammen mit einer anderen Familie wechseln wir uns beispielsweise einmal wöchentlich mit Mittagstisch und Nachmittagsbetreuung unserer Kindergarten-Kinder ab. Auch andere Familien habe ich darüber informiert, denn wenn wir uns gegenseitig helfen, können wir uns das Leben schlichtweg einfacher machen. Anders als das oftmals auf dem Dorf gelebt wird, gibt es in der Stadt viele Familien, die keine Grosseltern oder Verwandten in der Nähe haben. Dann wird selbst der einfachste Arztbesuch zum Organisationsmarathon. Ich kenne Personen, die haben Rückenschmerzen, gehen aber nicht zum Arzt, weil sie neben Arzttermin auch noch Kinderbetreuung für den Termin selbst organisieren müssten und allenfalls auch für Folgetermine, falls Physio oder sonstiges Follow-Up ansteht. Dann erscheint der Aufwand für die Koordination des Ganzen wesentlich höher als einfach mit den Rückenschmerzen zu leben. Genau dabei können wir uns aber doch gegenseitig unterstützen.


Du engagierst dich also neben deiner erwerbswirtschaftlichen Tätigkeit bei Any Working Mom und der politischen Teilhabe im Rahmen der Frauensession auch ganz konkret und zivilgesellschaftlich in deinem persönlichen Umfeld.


Jobmässig bist du ausserdem im Bildungsbereich unterwegs, erstellst Kinderhörspiele, bist Content Creator für diverse Migros-Mania-Produkte und Mitglied im Advisory Board von «creative kids». Inwiefern spielt das Thema Gleichstellung in diese Tätigkeiten von dir hinein?

Das bleibt bei der Content Erstellung natürlich nicht Aussen vor und fliesst ins Wording und die Darstellung der jeweiligen Figuren ein. So habe ich bei der Erstellung vom Migrosmania TipToi immer wieder auf Genderneutrale Sprache gepocht und darauf geachtet, dass typische Meitli-Buebe-Stereotypen nicht bedient werden, sondern beide möglichst gleichgestellt dargestellt sind (wobei das bei den Auftraggebern auf offene Ohren stiess). So folgt auf einen männlichen Bösewicht denn auch einmal eine weibliche Bösewichtin.


Spannend, wie sich dieses Thema durch all deine Aktivitäten durchzieht. Im kleinen, alltäglichen Tun wie im politischen Wirken auf grösserer Bühne.


Kommen wir noch einmal vom Kleinen – ins Grosse.

Sich erlauben, gross zu träumen. Davon handelt die Biografie «Dream Big», die du über das Leben des Schwingerkönigs Matthias Glarner geschrieben hast. Wenn du dir eine Welt vorstellst, in der Elternschaft + Berufsleben nicht in Dauererschöpfung endet. Wie sähe diese Welt GROSS geträumt aus?

In dieser Welt leben wir in einer Gesellschaft, in der es ALLEN möglich ist, selbstbestimmt zu entscheiden, wie sie als Eltern Betreuungs- und Erwerbstätigkeit für sich organisieren und aufteilen möchten. Und diese Entscheidung dann auch in die Tat umsetzen können, weil ihnen nicht ständig Hürden in den Weg gelegt werden. Die Ressourcen und Energie, die so frei werden, können dann wiederum eingesetzt werden, um zu unserem Planeten Sorge zu tragen.


Und wie sieht dein Leben in dieser Welt aus?

Vermutlich gar nicht so viel anders als jetzt – denn ich lebe bereits recht nah an dem Lebensentwurf, den ich mir für mein Leben wünsche. Ich kann mein Leben selbstbestimmt gestalten. Ich kann Sachen bewegen. Und je älter ich werde, umso mehr habe ich das Gefühl, wirklich mein Leben selbst zu gestalten und mutiger auf meine eigenen Wünsche zu vertrauen.

Wahrscheinlich würde ich GROSS geträumt, Kinderbücher schreiben, die ebenso einschlagen wie die Bücher von Joanne K. Rowling. Das ist nach wie vor ein Traum für mich.


Das hört sich regelrecht nach Idealzustand an. Für mich spricht da eine grosse Portion Lebenszufriedenheit heraus – ebenso wie viel Gestaltungswille und -kraft. Was denkst du, hat dir geholfen, dein Leben so «ideal» zu gestalten?

Ich bin und war schon immer ein neugieriger Mensch. Laut einem Charakterstärkentest trage ich diese Eigenschaft sogar zu 100 Prozent in mir. Das führt dazu, dass ich mit offenem Blick durch das Leben gehe, schaue, was links und rechts vom Weg liegt und ob das auch etwas für mich sein könnte oder nicht. So entdecke ich immer wieder neue Wege und Möglichkeiten, die mein Leben bereichern.

Zum anderen kann ich auf ein grundlegendes Urvertrauen bauen. Ein Urvertrauen in mich selbst, weil ich weiss, dass ich mir für keine Tätigkeit zu schade bin und es immer irgendwie weiterginge. Und ein Urvertrauen in meine Familie/meinen Partner/mein Umfeld, von denen ich mich getragen weiss. Dieses Urvertrauen entsteht aber natürlich auch aus dem Privileg in einer Gesellschaft, in einem Land wie der Schweiz zu leben.


Du entdeckst immer wieder neue Möglichkeiten – somit schreibst du dein Leben, deine Biografie ein Stückweit selbst. Von der Autorin zur eigenen Lebensgestalterin. Ein schöner Gedanke.


Beim Vorbereiten dieses Gesprächs kam mir ein Gedanke, der mich schmunzeln liess. Die Person, die sich so für Gleichstellungsthemen engagiert, trägt die Gleichstellung selbst mit ihrem Namen täglich zur Schau: Anja (weibl. Vorname) <-> Knabenhans (Knabe+Hans)

Stimmt, spannend. Das ist mir so noch nie aufgefallen. Ich bin verheiratet, habe aber den Nachnamen Knabenhans als meinen ursprünglichen Familiennamen behalten. Dass dieser Name so viel männlichen Ausdruck in sich trägt, war mir gar nicht in dem Masse bewusst. Passt aber irgendwie ... zumindest zeichnet sich meine Persönlichkeit durch einige Charakterzüge aus, die früher als typisch männlich galten. Ich zeige beispielsweise meine Gefühle nicht so gerne im Aussen. Und meine kurzen Haare begleiten mich auch schon seit ich Kind bin. ;)


Mir kamen vor allem rund um den Namen Hans Wortspielereien in den Sinn: Hanswurst (die Extrawurst hatten wir ja bereits), HansDampfinallenGassen (hast du mit all deinem vielseitigen Engagement unter Beweis gestellt) und dann wäre da noch dieses Sprichwort «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.» Wie erlebt das eine Anja KnabenHANS?

Jede:r, der mich fragt, was 5+7 oder 5+8 ergibt, der weiss auf der Stelle, was Anja schon als Mädchen nicht in ihren Kopf bekommen hat. Und wenn ich das Wort «transitorisch» nur höre, dann verabschiedet sich schon mein Hirn. Insofern: Ja, meine Interessen sind selektiv gestreut und es gibt definitiv Themen, die einfach nicht in meinen Kopf wollen.

Wenn’s denn aber sein muss, dann kann ich auch das durchaus in mein Hirn pauken. Selbst Mathe. Das habe ich im Gymi unter Beweis gestellt, als ich – um nicht auf der Gefährdungsliste zu landen – so intensiv Mathe geübt habe, dass ich glatt einen Sechser geschrieben habe. Und trotzdem muss ich bei der Rechnung 5+7 jedes Mal auf’s Neue wieder überlegen.


Naja, Held:innen tragen schliesslich auch nicht alle Superpower der Welt in sich. Entweder sie können Wände hochlaufen ODER sich in Luft auflösen ODER zaubern. Letztlich ist es vor allem wichtig zu wissen, wo die eigenen Talente liegen. Und diese dann in die Welt zu bringen.


Was bringen Heldinnen aus deiner Sicht in die Welt – was verstehst du unter diesem Wort?

Für mich gibt es da diese Super-Held:innen. Die fliegen, haben Superkräfte und retten die ganze Welt. Sowas wie Herkules oder Superwoman. Die, die auf den Bühnen dieser Welt zuhause sind und den Applaus ernten.

Und dann gibt es noch Heldinnen. Also alle, die sich für etwas engagieren, das über ihr eigenes Leben hinausreicht. Die sich engagieren, ohne dabei an sich selbst zu denken. Die Menschen, die Grosses für die Gesellschaft leisten im Leisen, im Alltag. Das sind oft diejenigen, die keinen Applaus bekommen. Und es trotzdem machen. Für die Sache an sich.


Was möchtest du diesen Held:innen da draussen jetzt noch mit auf ihre Held:innenreise geben?

Schau hin, Frage, Hinterfrage.

Hör nicht auf dich zu fragen «Muss das wirklich so sein, wie es ist? Oder geht es vielleicht auch anders?»

Das ist eine Frage, die wir uns regelmässig im Kleinen wie im Grossen stellen dürfen.

Privat wie auf gesellschaftlicher Ebene.


Wie oft finden wir uns in Situationen wieder, die uns nicht entsprechen. Seien es Beziehungen, die uns nicht mehr gefallen. Oder ein Job, der uns nicht mehr fordert oder fördert.

Dann ist es an der Zeit dich zu fragen, ob du die nächsten 20 Jahre so weitermachen möchtest.

Dann ist es an der Zeit dir Zeit zu nehmen und das Ganze zu überdenken. Die eigenen Glaubenssätze anzuschauen; und diese gegebenenfalls aufzulösen. Und dich trauen, neugierig andere Wege auszuprobieren.